Hi,
So, nochmal eine Rückmeldung zum Thema. Da ich auch gerade an alter GPU und CPU-Kühler herumhantiere,
meine alte AS5 nicht mehr reichte, habe ich mir auch die
Liquid Ultra bestellt, denn ähnlich wie bei @meise,
lassen die Umstände voraussehen, dass an dem Rechner über längere Zeit nicht geschraubt wird.
Glücklicherweise habe ich bei der GPU angefangen, ich würde mich als schraubtechnisch erfahren bezeichnen.
Habe die alte WLP sehr sorgfältig mit meinem bestens erprobten
ArctiClean 1&2 von GPU-Heatspreader
und Kühler entfernt - das
eine der Ultra beigepackte Reinigungstuch wollte ich für den Notfall aufheben,
um damit eventuell die Liquid Ultra wieder entfernen zu können. Zum Auftragen nach Anleitung:
Wenn die
Ultra wesentlich leichter zu verteilen sein soll, als die
Pro, dann bin ich froh das nicht ausprobiert
zu haben, denn die Ultra machte keine Anstalten, sich auf dem Die der GTX 260 gleichmäßig verteilen zu lassen.
Es ging
millimeterweise voran, dabei so langsam, dass das Zeug am beigelegten Pinsel antrocknete und den auf
nicht einmal halber Strecke unbrauchbar werden ließ, also den zweiten zur Hand genommen, mit ähnlichem Erfolg, denn fuhr man
zu lange über eine offensichtlich dickere Schicht des in der Mitte aufgetragenen Punktes, pappte das Zeug am Pinsel, aber nicht auf
dem Heatspreader. Da ich von den Heatbug-Berichten die Größe des Chips unter dem Heatspreader kannte, gab ich mich also
geschlagen und damit zufrieden, die
Ultra nicht bis ganz an den Rand verteilt zu haben. Also Karte sorgfältig wieder
zusammengebaut (das kann ich bei der GTX 260 beinahe im Schlaf), Rechner angeschmissen, GPU-Z gestartet und dann nicht
einmal mit
Furmark, sondern mit dem sehr gemächlich heizenden
Real-Time High-Dynamic Range Image-Based Lighting getestet.
In weniger als 3 Minuten war die GPU-Temperatur auf 96°C, was eindeutig auf einen Kontaktfehler hindeutet.
Also Test beendet, GTX ausgebaut und Kühler runtergeschraubt. Was ich dann sah, entsprach voll und ganz dem Meßergebnis,
denn der Heatspreader hatte trotz tadelosen Zusammenbaus
nur minimalen Kontakt zum Kühler, denn auf dem
Großteil der Fläche sah die Ultra genau so aus, wie ich sie aufgetragen hatte.
Erstes Fazit: Für eine GTX 260 und baugleiche Karten
nicht zu gebrauchen!Sehr verwunderlich, dass ein Liquid Metal Pad für GPUs angeboten wird, denn bei meiner Prozedur hatte ich die Ultra
bestimmt dicker aufgetragen, als es ein Pad wäre. Dann zur Reinigung: das Zeug musste ja nun wieder restlos runter,
also erst mit Papiertüchern so viel abgehoben, wie sich abheben ließ, dann mit dem
magischen Reinigungstuch hinterher.
Weder Heatspreader, noch Kühlerfläche ließen sich mit dem einen Tuch trotz sparsamsten Einsatzes völlig reinigen.
Mit
ArctiClean 1&2 ließen sich die Reste in mehreren mühsamen Arbeitsgängen vom Heatspreader entfernen,
auf der Kupferfläche des Kühlers hingegen war ohne das Schleifpad nichts zu machen. Zurück zur GTX 260:
Jetzt habe ich auch eine leise Ahnung, warum ich Tonnen von Wärmeleitpaste vorfand, als ich meine erste GTX
auseinanderschraubte. Dann, die Offenbarung des Auftragens. Ich habe schon diverse WLPs verarbeitet, u.a. Cooler Master,
Noctua, Gelid, Arctic Cooling MX3 (Eingetrockneter Fensterkitt ist Gold dagegen!), AS5, AS Ceramic und schließlich Liquid Ultra.
Nun probirte ich die neue
Arctic MX4, denn im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen WLPs steht zumindest auf der Packung
eine große
8, denn so viele Jahre soll die Leistung erhalten bleiben, auch wenn Coollab das für ein
Werbeversprechen hält.
Und: endlich eine WLP, die sich ohne grobes Werkzeug aus der Tube drücken und sich so wunderbar leicht verteilen lässt,
wie man es sich schon immer gewünscht hat. Nach der Sch...-Prozedur mit der Liquid Ultra, die reine Wonne.
Mein Gesamtfazit also:1. Wer mit
Liquid Metal noch keine Erfahrungen hat, der bestelle am besten gleich
zwei Spritzen,
denn bis man gelernt hat, es richtig anzuwenden, ist mehr als eine bereits leer geworden.
2. Liquid Metal ist für Grafikkarten, auf denen eine verhältnismäßig dicke Schicht WLP nach Demontage des Kühlers zu
finden ist,
in Verbindung mit dem Stock-Kühler als Wärmeleitmittel absolut ungeeignet.
3. Die Verteilung von Liquid Metal auf einem großflächigen Heatspreader (wie z.B. G 200) ist kaum zu bewerkstelligen,
oder erfordert eine Erfahrung im Umgang, die weit über das Vermögen eines Hobby-PC-Schraubers hinausgehen.
Wer, wie ich, maximal 1-2 mal im Jahr an einem Kühler schraubt, der sollte nach meiner Erfahrung die Finger von dem Zeug lassen.
Es wäre natürlich auch möglich, dass genau ich der Eine unter 10.000 Usern bin, der sich besonders doof anstellt.
4. Wer
Liquid Metal benutzen will, sollte sich ferner darüber im Klaren sein:
Einmal LM, immer LM,
denn die Reste für einen Umstieg auf klassische WLP wieder sauber zu entfernen, ist besonders auf Kupferflächen
ohne Schleifen nicht zu bewerkstelligen.
Alles in allem nach meiner Ansicht Grund genug für
Coollab die Risiken und Nebenwirkungen ihrer Produkte
nicht auf Mikropapyrus gedruckt beizulegen, wie den
Waschzettel eines in Zentral-Neu-Guinea zur Marktreife erprobten
Präparats gegen erektile Dysfunktion, sondern in einem angemessenen DIN-A4 Begleitbuch in
Schriftgröße 13 Fett abzudrucken, zumindest wenn wir davon ausgehen, dass nicht allein Hardware-Redakteure und Kühler-Nerds ihre
Zielgruppe sein sollen, sondern ganz normale User, wie ich.

Gruß,