Das Objekt der BegierdeMan kann die Resonanz auf die Ankunft des
Accelero Xtreme GTX 280 in diversen Testlaboren nicht anders, als euphorisch bezeichnen, denn lange genug hat man auf einen alternativen Luftkühler für die G200-Karten warten müssen und um so willkommener waren dessen Kühlleistungen, die zu Anfang einstimmig als herausragend bewertet wurden.
Was die GPU- und RAM-Temperaturen angeht, gibt es daran auch nach meinen Erfahrungen nichts zu rütteln. Was mich dann aber bei der genaueren Betrachtung meines Exemplars zwangsläufig viel mehr zu interessieren begann, war die Kehrseite der zahlreichen Award-Medaillen, die der Kühler nach und nach einheimste, also das wohl bekannte aber, welches das uneingeschränkte Ja hinter einer perfekt scheinenden Hardware nicht selten gründlich relativiert.
Worum es gehtDieser Bericht ist keine Hardware-Review und keine Bauanleitung, auch wenn er einige praktische Hinweise enthält. Er beschäftigt sich viel mehr mit der Frage, in wie weit es möglich ist, eine Highend-Grafikkarte sowohl unter Last, als auch im Office-Betrieb mit möglichst geringem Aufwand angemessen zu kühlen. Der Bericht ist einerseits nicht repräsentativ, weil er von konkreten Voraussetzungen und Bedürfnissen ausgeht, andererseits ist er in so fern allgemeingültig, weil er gerade deshalb dem Luftkühlungsproblem von Hochleistungs-Grafikkarten auf den Grund geht. Dass auf diesem Weg Kompromisse notwendig sind, liegt zum einen an den hardwareseitigen Beschränkungen, zum anderen an den Grenzen meiner technischen Möglichkeiten.
Hinweis! Sämtliche hier dargestellten Modifikationen führen unweigerlich zu einem Verlust
der Herstellergarantie und geschehen auf eigene Gefahr des Anwenders!Die BasisAusgangspunkt meiner Untersuchung ist eine Inno3D GTX 260 (216) in 65nm-Fertigung,
deren Taktraten für Chip/Speicher/Shader von
Edelgrafikkarten in der Performance Edition auf
660Mhz/2300MHz/1400MHz angehoben wurden. Da ich bis auf die Lautstärke mit der Karte sehr zufrieden war, wartete ich sehnsüchtig auf die Markteinführung eines brauchbaren Alternativkühlers. Am 20.03.09 packte ich in heller Freude ein hoch gelobtes Stück Hardware aus, das mich schon bald enttäuschen sollte.
Der Kühler und das aberZur Veranschaulichung aller montagebezogenen Details bediene ich mich neben Fotos aus eigener Herstellung vor allem der ausführlichen Bebilderung im Review auf
HT4U.
Abgesehen von dem Umstand, dass meine Lieferung keine
Kleberinge für die Kunststoff-Unterlegscheiben enthielt, welche zwischen Kühler-Halterung und PCB gelegt werden müssen und statt 4 passender Schrauben zur Befestigung des Kühlers nur 2 vorhanden waren, verlief die Montage problemlos. Dank doppelseitigem Klebeband und Stanzeisen waren die Spacer bald fixiert, die Schrauben, mit denen die Backplate des Stock-Kühlers befestigt war, passten zufällig in die M2 Innengewinde des Kühlers. Darüber hinaus wähnte ich mich Glück, denn die mitgelieferte Kühlplatte für die Spannungswandler passte zum Layout meiner Inno3D-Karte, was leider nicht die Regel ist, denn die Anordnung der Bauteile kann bei verschiedenen Herstellern unterschiedlich sein.
Die Kühlplatte selbst wird je nach Basiskarte mit 6 oder 7
Wärmeleit-Klebepads(7mm x 7mm x 1,5mm) auf den Spannungswandlern befestigt.
Das erste Teil, auf welches jeder vernünftige Mensch verzichten wird, ist die im Lieferumfang enthaltene
Backplate aus Aluminium, die nach Ansicht des Herstellers ebenfalls nur mit Klebepads montiert werden soll. Da bei dieser simplen Fixierung die Gefahr von Kurzschlüssen durch die Berührung der Platte mit anderen Bauteile auf längere Sicht nicht ausgeschlossen werden kann, habe ich mich zuerst für die Verwendung der verschraubten Backplate des Stock-Kühlers, später dann für den Einsatz einzelner Kühlkörper auf den rückseitigen Speicherbausteinen entschieden. Beide Methoden haben sich in der Praxis bewährt.
Als der Accelero Xtreme GTX 280 endlich lieferbar war, machte man sich sowohl von Seiten des Herstellers, als auch in den meisten Reviews ausgerechnet zum heißesten Kühlungsthema die wenigsten Gedanken:
Die Temperaturen der Spannungswandler blieben in ersten Testberichten weitgehend unberücksichtigt und auch die erste
Montageanleitung war diesbezüglich von einer gravierenden Sorglosigkeit geprägt, denn hiernach galt es einfach den 4-Pin Stecker des Accelero mit dem Anschluss auf der Grafikkarte zu verbinden und somit die Lüftersteuerung den vorhandenen Standardeinstellungen im BIOS der Grafikkarte zu überlassen. Die Referenztemperatur für die Lüftersteuerung ist aber die Temperatur des Grafikchips. Dieser Umstand hat zur Folge, dass die Lüfter des Accelero aufgrund dessen enormer Kühlleistung in diesem Bereich selbst unter Last nie höher, als mit 40%-iger Leistung drehen. Für Chip und RAMs ist das in allen Laststufen mehr als ausreichend, für die Spannungswandler jedoch unter Extrembedingungen völlig unzureichend.
Mittlerweile sieht die Welt hier etwas anders aus, denn sowohl in manchen Testberichten, als auch von Herstellerseite scheint man dank der regen Diskussionen in verschiedenen Hardware-Foren auf das Problem der Spannungswandler-Kühlung aufmerksam geworden zu sein. [siehe:
Ausblick]
Erste TesteindrückeAuch dem Stock-Kühler hatte ich schon mit Hilfe des Stability Test im FurMark 1.6.0 auf den Zahn gefühlt. Das Programm lief in einem Fenster von 800x600 Pixel Größe. Diese Einstellungen wurden bei allen folgenden Tests beibehalten.

Beim Stock-Kühler stieg die Temperatur der Spannungswandler stetig an. Bereits nach 2 Minuten waren 105° C erreicht, bemerkenswert ist jedoch, dass sich die Temperatur der Spannungswandler (VRM) um diesen Wert einpendelte und auch nach insgesamt 4 Minuten nicht weiter anstieg.

Der Standard-Kühler ist also durchaus in der Lage, die Temperaturen der Spannungswandler unter Kontrolle zu halten, allerdings war hierzu eine Lüfterdrehzahl von 2175 RPM (71%) nötig, unter welcher der Lüfter einen beinahe ohrenbetäubenden Lärm entwickelt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich der eben so deutliche Anstieg der Chip-Temperaturen unter Last und die daraus resultierende hohe Lüfterdrehzahl nicht zuletzt zu Gunsten einer ausreichenden Kühlung der Spannungswandler auswirkt.
Das oft kritisierte Kühlerdesign von Nvidia ist also bei weitem nicht so schlecht, wie die Geräuschkulisse nahelegt. Vielmehr ist der Lärmpegel ein deutlicher Hinweis darauf, dass es keine leichte Aufgabe ist, dem enormen Ausmaß an Abwärme, das eine Karte dieser Leistungsklasse im Bereich der Spannungswandler produziert, auf anderem Wege Herr zu werden, als über einen mit brachialer Leistung aufdrehenden Lüfter, der nicht ohne Grund unmittelbar über der Stromversorgung im hinteren Teil der Grafikkarte platziert wurde.
Genau in dieser Disziplin aber scheitert der Accelero im Vergleich kläglich.

Hier steigt die Temperatur der Spannungswandler zunächst verhalten, dann aber zügig an. Nach weniger als 90 sec. waren nicht nur 112° C erreicht, der Kühler machte bei den Ohren schmeichelnden 1326 RPM (40%) auch nicht die geringsten Anstalten, dem weiteren rapiden Anstieg der Wandlertemperaturen Einhalt zu gebieten. Erschreckt von diesem Testverlauf brach ich abrupt ab, auch deshalb, weil mir die genaue Spezifikation der Bauteile zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war.
Nach dem Absinken meines Adrenalinspiegels gab die sich anschließende Ernüchterung über den Testverlauf allen Anlass zu einer eingehenden Untersuchung des Problems.
Wo der Gewinner verliertNatürlich ist FurMark als synthetischer Lastfall nur bedingt mit der Beanspruchung einer Grafikkarte in Spielen zu vergleichen, aber auch hier kann in anspruchsvollen Titeln die 100° C Marke überschritten werden. Dennoch gibt der Test einen guten Eindruck über die Leistungsfähigkeit der Kühlung wieder, zumal er auf ein und derselben Karte bei unterschiedlichen Kühlkonzepten durchgeführt wurde.
Warum der Accelero bei der Kühlung der Spannungswandler im Vergleich zum Standard-Kühler deutlich unterliegt, hat vor allem drei Gründe:
1. Die im Lastfall auf 40% Leistung festgelegte, zu geringe Drehzahl der Lüfter,
2. Der bei dieser Drehzahl zu große Abstand des hinteren Lüfters zur Kühlplatte über den
Spannungswandlern,
3. Die zu geringe Wärmeübertragungsfläche zwischen Spannungswandlern und
Kühlplatte, welche mittels zu dicker Wärmeleitpads hergestellt wird.
Mehr DruckDie erste Maßnahme zur Verbesserung der Kühlleistung gründete sich auf die naheliegende Überlegung, den hinteren Teil des Standard-Kühlers als Ersatz für die Kühlplatte des Accelero einzusetzen.

Ein Holzweg, wie sich zeigen sollte, denn auch von der in verschiedenen Foren gern als Geheimwaffe gehandelten Verschraubung von Kühlkörpern und dem damit verbundenen höheren Anpressdruck, zeigte sich der FurMark im anschließenden, hier nicht dokumentierten Test, völlig unbeeindruckt.
Der zwangsläufige Verlust der Funktionsfähigkeit des Standard-Kühlers ließ mir keine andere Wahl, als zunächst den Ursprungs-Ort des Problems unter die Lupe zu nehmen, um dann nach einer geeigneten Lösung zu suchen.
Hot like hell – wo die Spannungswandler wohnenDa ich nur eine sehr leise Ahnung von dem hatte, was mir der Blick auf das Hinterteil der GTX 260 offenbarte, war es nach dem Ablesen der Beschriftungen nun an der Zeit, mir professionellen Rat zu holen. Auf die neugierigen Fragen des Elektronik-Noobs gab mir
@E.T. geduldig die aufschlussreichsten Antworten. Denn das, was gemeinhin mit dem Begriff Spannungswandler umschrieben wird, ist in Bezug auf mein Kühlungs-Problem ein Zusammenhang von Bauteilen, der wohl differenziert werden will.

Der Fachmann erklärte mir das so:
Was es für Teile sind, kann man grob auch an der Positionsnummer ablesen, das sind die weißen Nummern, die mit einem Buchstaben beginnen.
C = Kondensator
R = Widerstand ( Pos. 6 )
D = Diode
L = Spule ( Pos. 5 )
(okay, hier werden die großen Widerstände auch als Spulen bezeichnet, das kommt halt auch auf die Anwendung an, ein Widerstand, nur schon ein gerades Stück Draht oder eine Leiterbahn, ist in der HF-Technik immer auch eine Spule und eine nicht ideale Spule ist in der Starkstromtechnik immer auch ein Widerstand...)
T, Q = Transistor (Bezeichnung variiert je nach Hersteller)
IC, U = IC ( Pos. 1 – 4 )
(integrierte Schaltung, Bezeichnung variiert je nach Hersteller) Hier werden die MOSFET auch mit U bezeichnet, obwohl es eigentlich Transistoren sind, das liegt daran, dass offenbar mehrere (2-3) MOSFET in ein Gehäuse gepackt wurden, was die Definition einer integrierten Schaltung erfüllt.
Im weiteren Verlauf unserer Korrespondenz machte mich @E.T. darauf aufmerksam, dass es nicht etwa die mit U bezeichneten ICs sind, welche von sich aus die meiste Abwärme produzieren, sondern die „dicken Brocken“, also die mit L bezeichneten Spulen und Widerstände!
Diese selbst lassen sich aber sowohl wegen ihrer großen Bauhöhe, als auch wegen der zu geringen Wärmeleitfähigkeit ihrer Ummantelung nicht effektiv durch aufgesetzte Passivkühlkörper kühlen. Auch im Standard-Kühler sind deshalb nur Aussparungen für Widerstände und Spulen vorgesehen.
Wie aber werden diese primären Hitzequellen nun gekühlt?
Zum geringeren Teil durch einen möglichst freien Luftstrom, zum größten Teil aber über die Kupfer-Layer des PCB, mit dem sie verlötet sind. Aufgrund der außergewöhnlich hohen Wärmeleitfähigkeit des Kupfers überträgt sich jedoch ein Großteil der Abwärme von den Widerständen und Spulen auf die umliegenden Bauteile, insbesondere auf die benachbarten ICs und die nahe liegenden, hinteren RAM-Bausteine.
KlickHier also liegt der Hase im Pfeffer. Denn das, was gängige Diagnoseprogramme als VRM-Temperatur auslesen
(VRM = Voltage Regulation Module = Spannungswandler = IC),
wird in erheblichem Maße durch die umliegenden Spulen und Widerstände verursacht.
Der Abschied von der Standard AusstattungDie derart aufgeheizten ICs wären somit die einzigen Bauteile, für die eine Kühlung mit Hilfe von Passivkühlkörpern in Frage käme, ständen dieser Lösung nicht zwei wesentliche Hindernisse im Wege:
Zum einen die verstreute Platzierung der ICs in einem ungeordneten Layout und die daraus resultierende, im Vergleich zu einer gruppierten Anordnung relativ kleinere Kühloberfläche, zum anderen die geringe Bauhöhe der ICs, welche das Anbringen großflächiger Passivkühler nur über dicke Wärmeleitpads möglich macht, welche die umliegenden Kondensatoren überhöhen.

Aus demselben Grund wäre es auch nicht sinnvoll gewesen, einzelne Kühlkörper auf den ICs zu verwenden, denn überall sind diese von Kondensatoren umringt, welche einer Vergrößerung der Kühloberfläche nicht nur im Wege stehen, sondern auch potentielle Gefahrenquellen für Kurzschlüsse durch unachtsam montierte Kühlkörper darstellen.
Das Layout meiner Karte und die gesammelten Erfahrungen legten mir unter diesen Umständen nahe, auf den Einsatz von Kühlkörpern -zumindest in diesem Bereich- völlig zu verzichten.
Umso mehr drängte sich mir die Frage auf, welche maximale Betriebstemperatur den ICs noch zuträglich wäre. Da sämtliche auf meiner GTX 260 verbauten ICs (Pos.1 - 4) von
Volterra stammen, deren Datenblätter aus Gründen der Geheimhaltung jedoch nicht frei zugänglich sind, schickte ich eine diesbezügliche Anfrage mit den genauen Bauteilbezeichnungen und der Schilderung meines Problems an den Volterra-Support. Bereits einen Tag später erhielt ich die folgende Antwort:
Yes, we can provide you with the information you seek. All these devices have an operating Tj max of 125°C. Please note that the power devices have an Over Temperature Protection circuit that will shut down the device at a Tj of 150°C.
Regards
Nach dieser beruhigend wirkenden Information startete ich den zweiten FurMark-Test mit dem Accelero und der nach Herstellerangaben montierten Kühlplatte für die Spannungswandler. Wieder zeigte der Temperaturanstieg der VRMs einen ähnlichen Verlauf. Die von Volterra angegebenen 125° C wurden bereits nach 130 sec. überschritten und wie im ersten Test vermochte der Kühler den weiteren, rapiden Temperaturanstieg nicht aufzuhalten. Kurz danach brach ich den Test bei 128° C ab. Das Ergebnis wurde nur handschriftlich dokumentiert, denn es diente mir lediglich dazu, die aus dem Temperaturverlauf des ersten Tests abgeleiteten Vermutungen zu bestätigen.
Als erstes Fazit bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass die dem Accelero beigelegte Kühlplatte in Bezug auf die Temperatursenkung der ICs nicht nur weitgehend wirkungslos bleibt, sondern zudem die großflächige Abdeckung der umliegenden Bauteile einer Wärmeabfuhr über den Luftstrom im Gehäuse eher entgegenzuwirken scheint.
Dieses Ergebnis zeigt sich wohlgemerkt unter der Voraussetzung der oben erwähnten BIOS-Einstellungen, also bei festgelegten 40% der maximalen Lüfterdrehzahl! Nach dem Abschied von dieser Standard-Ausstattung mit Kühlplatte galt es nun nach einem neuen Weg zu suchen, die Temperaturen der Spannungswandler in den Griff zu bekommen.