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Autor Thema: [News] Ein weiterer Mensch stirbt beim Spielen von Diablo 3  (Gelesen 1922 mal)

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Offline Technic3D

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[News] Ein weiterer Mensch stirbt beim Spielen von Diablo 3
« am: Donnerstag Juli 19, 2012, 09:34:58 »
Zitat
Bereits im Februar dieses Jahres starb ein Taiwanese beim Spielen von Diablo 3, nach 23 Stunden verstarb der Mann. Nun gibt es einen weiteren Todesfall beim Spielen des Hack\'n Slay.


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Offline DI°G

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Re: [News] Ein weiterer Mensch stirbt beim Spielen von Diablo 3
« Antwort #1 am: Donnerstag Juli 19, 2012, 21:05:48 »
Ich glaube, niemandem, der sich je mit diesem oder einem ähnlichen Langzeit-Spieltitel beschäftigt hat, dürfte das Überschreiten der Vernunftgrenze, die uns unter normalen Umständen an die überlebensnotwendigen Handlungen erinnert, unbekannt sein. So haben die meisten Gamer, die diese Grenze durch den Selbstversuch erfahren haben und die schärfsten Kritiker dieses Phänomens eines gemeinsam: sie hüten sich davor, den entscheidenden Schritt in die Unkontrollierbarkeit zuzulassen. Die wenigsten Menschen haben die Gabe, sich allein kraft ihrer Vernunft wirklich nachhaltig und wirksam vom Sinn oder Unsinn einer Handlung zu überzeugen, ohne sie ausprobiert zu haben - daher ist es eben so spannend, wie tragisch, dass wir das meiste durch unsere gemachten Fehler lernen. In welchen Bereichen uns das erspart bleibt, haben wir Väterchen Zufall zu verdanken, nicht aber persönlicher Eigenleistung, auf die wir stolz sein müssten.

So sind beispielsweise Nichtraucher keine besseren Menschen, als Raucher - auch wenn sie sich gern dafür halten. Sie hatten lediglich das Glück einer entsprechenden Veranlagung, sowie fehlender Umstände und Vorbilder, die sie vor dem Weg in den blauen Dunst bewahrten. Eben so würde ich solche Zocker-Unfälle einordnen: eine Verkettung bestimmter Neigungen mit bestimmten Umständen, die eben im worst case das Leben kosten können. Die Vermutung liegt also nahe, dass die bisherigen Diablo III-Todesopfer allerbeste Aussichten hatten, auch in anderen Situationen früher als geplant ums Leben zu kommen: auf einsamen Brücken, durch offene Fenster, waghalsige Überholmanöver oder in einem stillen See - je nach Gusto.

Die interessante Frage ist also nicht, auf welche Weise man sich voreilig vom Leben in den Tod befördern kann, sondern die, ob das heutzutage häufiger geschieht. Und diese Frage würde ich nach meinen Beobachtungen mit einem klaren Jein beantworten. Wenn man nämlich den Begriff des Suizids einmal etwas weiter fasst und als eine Grundvoraussetzung dafür die Bereitschaft zur Selbstaufgabe in Betracht zieht, dann muss ich nach meinen eigenen Erfahrungen einfach feststellen, dass in der heutigen Zeit erheblich mehr Möglichkeiten geboten werden, die zur Selbstaufgabe oder besser zur Verabschiedung von der Eigenverantwortlichkeit einladen.

Es hat nicht nur mit meinem fortgeschrittenen Alter zu tun, dass ich unter jungen Menschen immer mehr Verhaltensweisen beobachte, die mir - besonders in Erinnerung meiner eigenen Jugendzeit - schlicht seltsam erscheinen. Ich lasse mich zum Beispiel nicht mehr vom Vorwurf des uncool Seins beeindrucken, wenn ich meine Schüler darauf aufmerksam mache, dass sie im Umgang mit ihren Mobiltelefonen geradezu authistische Verhaltensweisen an den Tag legen, oder sie sich beim Einkassieren ihres Lieblingsspielzeugs während des Unterrichts unwesentlich anders aufführen, wie Junkies, denen ein kalter Entzug verordnet wird. Ich habe auch keinerlei Beweise dafür finden können, die Jugendlichen heutzutage wären generell schlechter geraten, als früher, daher bleibt als einziger Schluss die ernüchternde Feststellung, dass den Heranwachsenden heute ganz offenbar die Mittel fehlen, vernünftig mit den Dingen umzugehen, die ihnen heute geboten werden. Und vernünftig meint eben nicht das, was die Alten für richtig halten, sondern alles, was ihrer Eigenverantwortlichkeit, letztendlich also ihrer persönlichen Freiheit dienlich ist. Genau hier aber sehe ich immer deutlichere Anzeichen der Überforderung. Es ist wirklich erschreckend mit ansehen zu müssen, welche Macht virtuelle Medien auf Menschen ausüben, bei denen entwicklungsbedingt augenblicklich alle Kanäle auf Empfang stehen. Das ist wie freies Surfen ohne Firewall, Virenschutz und Spam-Filter, nur fatalerweise ist die Rechenmaschine, die da weitgehend unkontrolliert die Welt erforscht, ein Mensch und der ist wie eh und je an die Grundgesetze des Überlebens gebunden. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Eintritt in diese virtuelle Parallelwelt durch Medien gebahnt wird, die sich durch eine unnatürlich einseitige Überdosierung von Sinnesreizen auszeichnen und die schiere Gewalt des Eindrucks, den sie hinterlassen, eine Bedeutung suggeriert, die jede natürliche, also ohne technische Hilfsmittel gemachte Sinneserfahrung, bei weitem überragt. Tatsächlich aber ist ein touchpad kein Ersatz für Berührung, ein Chatroom ersetzt keinen leibhaftigen Gegenüber und ein Lautsprecher eben keine menschliche Stimme.
Das wesentliche Problem liegt also weniger darin, den Umgang mit dieser Technik zu erlernen - denn dazu sind wir ganz offensichtlich nicht in der Lage - es liegt vielmehr darin, der Technik einen Sinn zu geben, indem wir ihr eine menschliche Dimension verleihen, ihr quasi unseren Geist einhauchen. Ohne diese Anstrengung würden wir immer passiv bleiben, immer Getriebene, die an einem von vornherein aussichtslosen Wettlauf teilnehmen.
All things excellent are as difficult as they are rare. - Spinoza