Hi,
@Steel: vom Vorwahl-Schnellschuss der Regierenden einmal abgesehen erscheint der Atomausstieg vor allem
wegen der so gennaten
normativen Kraft des Faktischen absurd - die Atom-Lobbyisten und deren hörige
Politiker blockieren Jahrzehnte lang die Entwicklung von Alternativen durch regenerative Energiekonzepte und
predigen den Sermon der sauberen Kernenergie und des berechenbaren Restrisikos. Kein Wunder also, wenn
die Mehrheit der Bevölkerung durch Fukushima zwar besorgt ist, aber immer noch befürchtet, in Deutschland
würden die Lichter ausgehen, wenn es keine AKW mehr gäbe. Was ebenfalls seit Jahrzehnten unter den Teppich
gekehrt wird, sind die Kehrseiten des
preiswerten Atomstroms:
Die ungeklärte Endlagerfrage, die wachsende Menge hochradioaktiver Abfälle aus laufendem Betrieb seit nicht
mehr französisch aufbereitet wird, die katastrophale Umweltzerstörung durch den Uranabbau und die Negation
der Kosten zur Beseitigung dieser Schäden, die unwirtschaftliche Nichtberücksichtigung der Atommüllbeseitung
im Strompreis, die katastrophalen Folgen im Falle eines GAU, die Tatsache der in zahlreichen Studien belegten,
signifikant höheren Krebsrate bei Kindern, die in der Umgebung von
sicheren Atomkraftwerken leben.
Nimmt man all das zusammen, bleibt unterm Strich die schlichte Feststellung, dass gemessen am Stand der
Technik im 21. Jahrhundert die Stromerzeugung durch Kernspaltung technisch überholt, in höchstem Maße
unrentabel und im Verhältnis zum Nutzen mit untragbar hohen Risiken verbunden ist. Die einzig interessante
Frage lautet also, ob die Ereignisse in Fukushima ausgereicht haben, um einer Mehrheit in der Bevölkerung
endlich das zu Bewusstsein zu bringen, was schon seit langem über die
friedliche Nutzung der Kernenergiebekannt ist und auf welche Weise der dringend notwendige Atomausstieg so bald wie möglich bewerkstelligt
werden kann. Diesen Ausstieg scheuen die Betreiber aber nicht nur wie der Teufel das Weihwasser, weil es um
genau diesen Energieträger geht, sondern weil mit diesem Ausstieg auch der Abschied von der Energieerzeugung
im Großkraftwerksbetrieb eingeläutet werden könnte - die Strommonopole haben wir übrigens einem wohl bekannten,
kleinwüchsigen Herrn aus Österreich zu verdanken. Der Strom der Zukunft ist nicht nur
intelligent, weil er
regenerativ erzeugt wird, sondern auch, weil er
dezentral erzeugt wird. Letztendlich geht es also auch für die
Verbraucher ans Eingemachte, es geht um mehr Eigenverantwortung bei der Energiefrage und schließlich darum,
wie viel Verbrauch sich jeder
leisten will. Fakt ist, dass die Effizienzsteigerungen in der Stromerzeugung durch
zunehmenden Energieverbrauch zum größeren Teil aufgehoben werden;
es geht also insgesamt um eine Art neue Ethik beim Energieverbrauch.

@ E10 - der Terminus "Bio-Sprit" ist ein Werbeslogan mit dem Ziel der Verharmlosung - es ist
Agro-Sprit der in
höchst konventioneller Weise und gegen alle Regeln vernünftiger, geschweige denn biologischer Landwirtschaft gewonnen
wird. Seine Einführung ist das politische Zugeständnis der aktuellen Regierung an eine Großmacht, nämlich die deutsche
Autoindustrie, welche sich trotz weltweit höchstem technischen Stabndard penetrant weigert die vereinbarten Grenzwerte
beim CO2-Ausstoß durch einen höheren Anteil energiesparender Fahrzeuge einzuhalten - eine Milchmädchenrechnung,
nicht mehr, woran sich das Volksgemüt nunmehr seit Wochen und völlig am Thema vorbei erhitzt.
Tja, tut mir leid, aber solche Fakten bekommt man in der Boulevardzeitung eben nicht zu lesen.
Gruß,