Dieses kleine, aus dem Vollen gearbeitete Alu-Kästchen weist gerade einmal die Maße einer größeren Zigarettenschachtel auf und trägt weder Display noch irgendwelche Schalter oder Knöpfe.
Mit einem Paar Cinch-Buchsen für den Ausgang des Analogsignals, einem Netzwerk (LAN)-Anschluss und dem Eingang für die Versorgungsspannung (aus dem beiliegenden Schaltnetzteil) nimmt der Streamingzwerg direkten Kontakt zur Umwelt auf.
Zwei winzige Leuchtdioden melden dem User darüber hinaus den gerade herrschenden Betriebszustand.
Das nennt man Purismus!
Wir schauen uns den Emerson Analog genauer an. Neben seiner ausgefallenen Formgebung, der tiefen Oberflächen-Gravur und der ausgezeichneten Lackierung beeindruckt uns das unerwartet hohe Gewicht des kleinen Streamers besonders.
Das Preisschild von 1800,- € lässt darüber hinaus erahnen, dass auch die inneren Werte höchsten Ansprüchen gerecht werden und uns hier erwachsener High End- Klang erwartet.
Anschluss, Inbetriebnahme und Steuerung
Aus Gründen der Signal-Stabilität setzt Wattson-Audio ausschließlich auf einen drahtgebundenen Netzwerkanschluss (LAN). Auf drahtloses WLAN wird konsequenterweise verzichtet. Geleitet von einem gut verständlichen User-Manual (leider nur im Netz und auf Englisch) erweisen sich Anschluss und Inbetriebnahme des Streamers als sehr einfach.
Wir installieren die kostenlose App „Wattson Music“ aus dem App Store auf ein iPhone 5 PRO und schließen das wertige Kästchen über Cinch an einen Hochpegeleingang des Verstärkers an. Anschließend verbinden wir Streamer und Router mit einem Cat 6- Netzwerkkabel guter Qualität.
Da Wattson Audio in der Anleitung darauf hinweist, dass der Emerson über sein Netzteil erst dann mit Strom beliefert werden soll, wenn alle anderen Anschlüsse stehen, halten wir die Reihenfolge konsequent ein.
Eine der beiden LEDs quittiert die erfolgreiche LAN-Kopplung nun mit rotem Dauerlicht.
Letztlich wird die App auf dem Handy gestartet und nach ein paar Sekunden erscheint der Emerson Analog mit Namen und seiner Netzwerkadresse auf dem Display.
Nach Antippen des Buttons zeigt sich das iOS-Wattson-Menue.
Wir wählen „Qobuz“ aus, öffnen eine Playlist und wählen ein Musikfile aus. Im oberen Teil des Displays erscheinen die Titel-Steuerungselemente und darunter die Infos zum aktivierten Titel.
Unter der File-Liste präsentiert sich der Balken für die Lautstärke-Einstellung.
Geschafft!
Die ersten Töne sind verheißungsvoll und machen Lust auf mehr…
Kleiner Technik-Talk
Servicefreundlich lässt sich das Innenleben des Emerson Analog mit sehr geringem handwerklichem Aufwand freilegen. Nach Entfernen der Gummifüßchen gelangt der Techniker an die Befestiigungsschrauben des Bodendeckels.Service? Wer diesen Aufbau sieht wird sich kaum vorstellen können, dass hier jemals eine Reparatur notwendig werden dürfte.
Zwei übereinander angebrachte Epoxy-Platinen beachtlicher Stärke sind mit dem Bodendeckel fest verschraubt und tragen selektierte Bauteile erster Güte. Hierzu gehören neben den Integrierten Schaltkreisen (Chips) vor allem die Kondensatoren, welche sorgfältig ausgewählt und vor dem Einbau aufwändigen Tests unterzogen werden.
Die zentralen Steuerungsaufgaben des Streamers wie Netzwerkkommunikation, Empfang/ Verarbeitung der Audiodaten, Ansteuerung des DAC und nicht zuletzt die App-Verwaltung werden beim Emerson Analog von einer internen Rechner-Engine erledigt, deren Herz der Sitara-Prozessor von Texas Instruments ist.
Beim klangbestimmenden Schaltungsdesign setzt Chefentwickler Alexandré Lavanchy auf eine konventionelle Lösung mit Einsatz des bewährten D/A-Wandler-Chips WM8742 von Cirrus Logic, welcher sowohl DSD als auch PCM problemlos verarbeiten kann.
In Kombination mit dem eigens entwickelten Clocking-Konzept, hochwertigen Operationsverstärkern für die Ausgangsstufe, differenziellem Tiefpassfilter und nicht zuletzt einer aufwändigen Spannungsversorgung der Analog-Sektion realisiert Lavanchy hier ein ausgeklügeltes Konzept, welches ausgezeichnete Messwerte bei überschaubaren Kosten liefert.
So liegt die gesamte harmonische Verzerrung des Streamers (lt. Wattson-Audio) unter sagenhaft geringen 0,001 % und das Signal-Rausch-Verhältnis übertrifft sogar den unglaublichen Wert von 120 dB. Klanglich ist somit eine absolute Klarheit bei „schwarzem“ Hintergrund zu erwarten.
Einen Wert für den Ausgangswiderstand (der für die Gerätekopplung wichtig ist) gibt Wattson nicht an. Er beträgt nach unseren Messungen erfreulich geringe 50 Ohm.
Zusammen mit dem hohen Maximalwert der Ausgangsspannung (Messwert etwa 3V RMS) gibt sich der Emerson weitestgehend anschluss-unkritisch.
Was beherrscht der Emerson Analog?
Wattson Audio wendet sich mit dem Emerson Analog an den High End- Hörer, der auf Anschluss- und Ausstattungsvielfalt verzichten kann und stattdessen die Klangqualität in den absoluten Mittelpunkt seines Kaufinteresses stellt.Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass der geneigte Käufer elementare Einbußen beim Einsatz des Emerson Analog hinnehmen müsste. Die wirklich wichtigen Dinge beherrscht das Schweizer Streamingsystem nämlich. Und das richtig gut.
Beginnen wir bei der Steuerung. Wie oben beschrieben, ist die App im Handumdrehen eingerichtet und präsentiert sich wunderschön designt, übersichtlich gegliedert und (zumindest in unserem Test) absolut funktionssicher sowie bestens bedienbar.
Es macht einfach Freude, mit dieser App auf Entdeckungsreise zu gehen oder in den Playlists zu stöbern.
Auch die feinstufige Lautstärkeeinstellung, welche mit dem Schieberegler auf dem Display oder den Lautstärketasten des iPhones vorgenommen werden kann, gefiel uns sehr gut.
Über die Art der digitalen Musik muss sich der User keine Gedanken machen, denn der kleine Streamer beherrscht auch höchste PCM- und DSD-Abtastraten und kann (außer MQA) mit allen gängigen Dateiformaten problemlos umgehen.
Weiterhin findet und spielt er Musik aus dem eigenen User-Netzwerk über UPnP/DLNA oder Airplay und ist für die direkte Verbindung mit den Streamingdiensten TIDAL und Qobuz wie auch unzähligen Radiosendern vorbereitet.
Gekrönt wird die Verbindungsvielfalt letztlich durch die Möglichkeit, den Emerson Analog als Roon-Wiedergabegerät einzurichten.
Erfreulicher Weise ist es seit einiger Zeit auch möglich, den Emerson Analog über die Android-App „Wattson Remote“ zu steuern. Gegenüber der iOS-App „Wattson Music“ allerdings nur mit stark eingeschränktem Funktionsumfang, wodurch eine komfortable Bedienung des Streamers praktisch nicht möglich ist.
Riesen-Klang
Von einem minimalistisch ausgestatteten Streamer mit einem Preis von 1800 € darf man Spitzenklänge erwarten. Und hier liefert der Schweizer Winzling ohne Wenn und Aber.Streamt man mit ihm High Res- Files hoher Qualität, wie sie z.B. von Stockfisch Audio zur Verfügung gestellt werden, erlebt der Zuhörer an hochwertigen Ketten einen Sound, der von einem Höchstmaß an Durchzeichnung, Transparenz und feinster Detailauflösung gekennzeichnet ist.
Gepaart mit hoher Präzision ohne jeden Anflug von Artefakten oder tonalen Härten zelebriert der Emerson Analog ein Klangbild von frappierender Natürlichkeit.
Dies und eine glaubhafte Abbildung des Klangraumes mit erfahrbarer Staffelung rücken die Emerson-Klänge in eine bemerkenswerte Nähe zum musikalischen Realismus.
Bei derartigen Klangleistungen verbietet es sich geradezu, die Reproduktionsqualität zu sezieren.
Wir wollen aber auf klangliche Aspekte hinweisen, die uns besonders beeindruckt haben.
Dies wäre zunächst der wunderbar tiefreichende, beeindruckend konturierte und unglaublich reaktionsschnelle Bass, der sich nahtlos ins Klanggeschehen eingliedert. Aber auch die eindrucksvoll präsente Stimmdarstellung, sowie eine prächtige Mittendynamik besitzen Begeisterungspotenzial.
Ist diese Klangpotenz ihr Geld aber wirklich wert? Wir ziehen zunächst den Vergleich mit unserem WiiM Ultra, der bestens ausgestattet, kaum ein Viertel des Wattson-Streamers kostet.
Nicht wirklich verwunderlich, dass der soundmäßig angenehm agierende WiiM Ultra keine Chance gegen die mitreißende Spielweise des Emerson Analog hat.
Enger wird’s dann aber beim Klangvergleich mit dem Inuos ZENmini, der im Bundle mit seinem Linearnetzteil in der Emerson-Preisliga spielt. Aber auch hier sehen wir den Wattson-Streamer hinsichtlich Bass-Performance, Auflösung und Durchhörbarkeit leicht, aber deutlich vernehmbar vorn.
Bleibt die Erkenntnis, dass der kleine, puristische Emerson Analog ein wahrer Klangkünstler ist. Beim Blick auf das Preisschild muss man aber erst einmal durchatmen.
Fazit
Für Klang-Gourmets, die auf Anschlussvielfalt, hohem Funktionsumfang und optischer Präsentation eines Streamers verzichten können, ist der kompakte Emerson Analog- Streamer der Schweizer High End Manufaktur Wattson Audio eine äußerst interessante Option.In einem ausgesprochen wertigen Metallkästchen untergebracht, agiert ein Schaltungsdesign außergewöhnlicher Raffinesse und allerbester Ausführung. Hiermit liefert der Emerson Analog Daten und Messwerte, die den kompakten Streamer als klangliches Spitzengerät ausweisen.
In unseren umfangreichen Klangtests bewies der Emerson dann auch immer wieder seine Extraklasse, die durch ein Höchstmaß an Durchzeichnung, feinster Detailauflösung und hoher Präzision gekennzeichnet ist. Ohne jeden Anflug von Artefakten oder tonalen Härten beeindruckte uns das Emerson-Klangbild mit einer Natürlichkeit, die dem Live-Erleben sehr nahekommt.
Mit der sehr ansprechend gestalteten und funktionssicher arbeitenden Bedienungs- und Steuerungsapp „Wattson Musik“ für Apple iOS-Geräte wird der hervorragende Gesamteindruck des Streamingsystems letztlich unterstrichen.
Wenn der Emerson Analog seit einiger Zeit auch über die Android-App „Wattson Remote“ gesteuert werden kann, so bietet diese Option z.Zt. leider nur eine rudimentäre, wenig komfortable Bedienung.
Für Apple-User mit klarer Fokussierung auf die Klangqualität dürfte der puristisch ausgestattete Emerson Analog jedoch selbst angesichts des Preises von 1800 Euro ein äußerst spannendes Angebot darstellen.
Hersteller: Wattson Audio, ZI Le Trési 6B, 1028 Préverenges Switzerland
Deutscher Vertrieb: Einschlägiger Fachhandel
Technische Daten: https://www.wattson.audio/emerson-analog
Preis (UVP): ca. 1800,00 €
Test-Equipment:
Kopfhörer-Verstärker: Pro-Ject Head Box DS3 B
Lautsprecher: Ulber Audio Nora (Technic3D-Referenz)
Kopfhörer: Edifer Stax Spirit S5
Bewertung
Das sollten Sie wissen:
- Alle Bewertungen orientieren sich ausschließlich am vorstellbaren Qualitäts-Optimum der Geräteklasse und stehen nicht in Relation zum Preis.
- Die Preis-Leistungsbewertung wird gesondert erstellt und berücksichtigt neben der Produktqualität auch Ausstattungsumfang und besondere Produktmerkmale.
- Bei der Wahl der Bewertungskriterien wurde das Einsatzgebiet des Gerätes berücksichtigt.


| Bewertungsschlüssel |
| 0,5 - 0,9 ausgezeichnet |
| 1,0 - 1,5 sehr gut |
| 1,6 - 2,5 gut |
| 2,6 - 3,5 akzeptabel |
| ab 3,6 verbesserungsfähig |
Der Technic3D- Top-Award wird für Produkte vergeben, die im Test (unabhängig vom Preis) herausragend gute Leistungen nachgewiesen haben.
Der Technic3D- Gold-Award wird für Produkte vergeben, die hervorragende Leistungen bei vergleichsweise geringen Preisen aufweisen.

