Auf der diesjährigen HIGH END in München musizierte die kompakte Sirocco 1.24 im Atohm-Hörraum mit einem Sound, der spontan unsere Aufmerksamkeit auf sich zog.
Ungläubiges Staunen dann, als uns Vertriebler Dietmar Hölper das Preisschild präsentierte: Lediglich 1699 Euro stehen für ein Pärchen dieser klangstarken Zwerge zu Buche!
Der erste Höreindruck ist jedoch das Eine, ein intensiver Klangtest das Andere. Bei uns musste die Scirocco 1.24 also unter Beweis stellen, ob sie dem guten Ersteindruck gerecht wird.
Doch lassen wir zunächst den französischen Hersteller Atohm (frei übersetzt und gekürzt, a.d.R.) zu Wort kommen:
Auf der Grundlage unserer über 25-jährigen Erfahrung wurde das Konzept der 2007er Scirocco-Serie unter Einsatz aller unserer Entwicklungs- und Produktionswerkzeuge komplett überarbeitet: Brandneue Treiber, neue Gehäuse, neue Frequenzweichen und ein neues fortschrittliches Design - alles mit dem einzigen Ziel, die technische und musikalische Leistung unserer Lautsprecher in dieser Preisklasse deutlich zu verbessern. Das Ergebnis ist eine beispielhafte Leistung in Bezug auf Linearität, Dynamik und geringe Verzerrung, die es ermöglicht, den Hörer in intensive und einzigartige musikalische Emotionen einzutauchen zu lassen.Ausführung, Verarbeitung und Handling
Die kompakte Scirocco 1.24 hat die Abmessungen 345 x 180 x 260 mm (HxBxT) und ist mit 7 kg eher ein Leichtgewicht. Atohm bietet sie mit Echtholz Furnieren in Walnuss bzw. Eiche hell oder in Schleiflack Weiß an.
Mit ihrer Formgebung wirkt der Lautsprecher schnörkellos modern und hinterlässt bei unserer Testbox in Schleiflack Weiß einen ausgesprochen guten optischen und haptischen Eindruck. Dieser umfasst nicht nur die tadellos ausgeführte Lackierung, sondern auch die sehr wertig anmutenden Chassis sowie die Bodenkonstruktion mit den silberfarbenen Abstandssäulen.
Bestens gelöst wurde auch der Membranschutz von Hoch- und Tieftöner. Während die Hochtonkalotte hinter einem Drahtgitter sitzt, wird der Tief- Mitteltöner durch einen ansteckbaren Ring mit Textilbespannung geschützt.
Auch die Verarbeitungsqualität zeigt sich tadellos. Die Chassis sind passgenau und bündig eingelassen, die Boden-Abstandssäulen sitzen perfekt und das einfache, aber solide Single-Wire Anschlussterminal ist stabil mit dem 18 mm starken MDF-Gehäuse verschraubt.
Dabei präsentieren sich die vergoldeten Schraubklemmen edel, stehen aber sehr eng beieinander. Ein fester Schraubanschluss von dickeren Kabelenden wird hierdurch nicht gerade erleichtert.
Der darüber angebrachte, 3-stufige Klangschalter wirkt solide und haptisch ansprechend. Leider besitzt er recht wenig Abstand zu den Schraubklemmen.
Wenn Bananas eingesteckt sind, haben große Hände Schwierigkeiten, den Schalter zu bedienen.
Ein Blick ins Innere der Box verrät gute handwerkliche Arbeit und die Verwendung wertiger Komponenten.
Die Frequenzweiche wurde mit Top-Bauelementen bestückt und die Innenverkabelung aus OFC-Kupfer mit 1,5 qmm Querschnitt schafft Vertrauen.
Auf Inserts in den Standflächen der Box zur festen Verbindung mit Spikes oder Dämpfern hat Atohm leider verzichtet.
Pfiffiges Konzept
Die konstruktive Ähnlichkeit zum hochpreisigen Premium-Kompaktlautsprecher, dem GT1-HD aus gleichem Haus, ist unverkennbar. Wie beim GT1-HD, welcher bei Technic3D kürzlich mit glänzendem Ergebnis getestet wurde, handelt es sich bei der Scirocco 1.24 um ein klassisches Zweiwege-System in Bassreflextechnik. Dessen Reflexrohr im inneren der Box wurde senkrecht zu den Chassis angeordnet und strahlt zum Boden hin ab.Dieses schlaue Konzept ermöglicht optimale Querschnitte und Längen des Reflexrohres, wodurch Turbulenzen und die damit verbundene Kompression des Luftstroms reduziert werden.
Darüber hinaus befindet sich die innere Rohröffnung recht weit entfernt von den Membranen der Treiber, wodurch die Ursache von klangschädigender Reflexion oder Beugung des Bassreflex-Schalls weitgehend beseitigt wird.
Das unter Atohm- Regie neu konzipierte 15 cm Tief-Mitteltonchassis C150 DCR, welches in der Sirocco-Serie zum Einsatz kommt, besitzt lt. Hersteller ein hervorragendes Gleichgewicht zwischen Steifigkeit, Gewichtsverhältnis und Dämpfung.
Es verfügt über einen speziellen Papierkonus aus Kurzfasern. Seine spezielle Rückseitenbehandlung soll das Aufbrechen der Membran bei höheren Frequenzen minimieren.
Weitere trickreiche Konstruktionsmerkmale des C150 DCR , deren Darstellung hier den Rahmen sprengen würde, verleihen ihm einen immens großen linearen Hub, bestes Verzerrungsverhalten und einen weitreichenden Frequenzbereich bei gutem Wirkungsgrad.
Mit diesen Eigenschaften stellt sich der C150 DCR als Top-Chassis für das Sirocco-Konzept dar.
Werfen wir einen Blick auf den Tweeter, welcher den Namen WSD20 trägt. Dieser top-gestylte Hingucker arbeitet mit einer leichten 20 mm Seidenkalotte, welche in einem optimierten Waveguide aus Aluminiumdruckguss untergebracht ist.
Damit werden nicht nur die bekannt positiven Attribute des Waveguide-Systems genutzt, sondern für ein perfektes Timing auch die akustischen Zentren des Hoch- und Tieftöners nahezu senkrecht übereinander gelegt.
Ein präzise geformter Phasenentzerrer (Phase Plug) reduziert Auslöschungen im Frequenzgang und verbessert die Wärmeableitung des Chassis.
Konstruktive Tricks bewirken überdies, dass Verzerrungen von Frequenzen unterhalb des Arbeitsbereichs, welcher etwa von 2 kHz bis 25 kHz reicht, minimiert werden. Dies und der seicht abfallenden Pegelverlauf ab der Grenzfrequenz ermöglicht eine „sanfte“ Ankopplung an den C150 DCR mit Hilfe der Frequenzweiche.
Folgerichtig besteht die Frequenzweiche aus Filtern erster Ordnung (6 dB/ Okt.), wodurch Phasendrehungen und Gruppenlaufzeiten bei der Übernahmefrequenz (3,5 kHz) positiv beeinflusst werden.
Des Weiteren ist die Frequenzweiche der Sirocco 1.24 mit einem Klangschalter ausgestattet, der eine Veränderung des Mittel- Hochtonpegels ab etwa 2,5 kHz in 2 dB-Schritten ermöglicht.
Hiermit kann der User eine gewisse tonale Anpassung des Klanges an die Raumakustik vornehmen oder eigene Sound-Vorlieben bedienen.
(Die roten Punkte dienen lediglich dem besseren Verständnis)
Pos.1 (links): niedrig, Pos. 2 mittel, Pos. 3 (rechts): hoch
In Position 1 des Schalters (blaue Kurve) ist der Pegelverlauf weitgehend eben. Diese Schalterstellung kann als Normalposition gelten.
Welligkeiten im Frequenzgang werden bei allen Schalterpositionen vermieden, wodurch die Neutralität des Klangbildes immer gewahrt bleibt.
Klangrelevante Daten und Messwerte
Die untere Grenzfrequenz der Sirocco 1.24 haben wir mit 45 Hz bei 3 dB Pegelabfall ermittelt. Für eine Box dieser Abmessungen ein durchaus guter Wert. „Richtiger“ Tiefbass ist damit allerdings nicht zu erwarten.Der Pegel-Frequenzgang (s. obiges Diagramm) verläuft mit einer kleinen, unbedeutenden Senke bei 2,5 kHz fast eben und der Impedanzverlauf (s. Diagramm unten) zeigt sich gutmütig. Er weist die Box nach ICE-Norm als 4-Ohm Lautsprecher aus.
Das Impedanz-Minimum entsteht bei einer Frequenz von 200 Hz und beträgt etwas weniger als 5 Ohm. Da auch die Phasendrehungen im grünen Bereich liegen, stellt die Box nur geringe Anforderungen an die antreibende Endstufe.
Legt man den von Atohm genannten Pegel von 88 dB bei 2,83 V Messspannung bei einem Meter Abstand zu Grunde, ergibt sich ein normierter Wirkungsgrad (Kennschalldruck) von 85 dB/W/m.
Für den Maximal-Schallpegel von 98 dB in einem Meter Abstand, den die Box mit gerade noch akzeptierbarem Klirr im Bassbereich erreicht, wird somit eine Verstärkerleistung von 20 Watt RMS benötigt.
Um den Lautsprecher einerseits vor Clipping und andererseits vor Überlastung zu schützen, empfehlen wir für die Scirocco 1.24 Verstärker, die pro Kanal eine Ausgangsleistung von etwa 40 bis 80 Watt RMS an einer Last von 4 Ohm liefern können.
Sorgfältiges Einrichten ist Pflicht
Es ist ratsam, bei der Einrichtung der kleinen Atohm-Box sorgfältig vorzugehen. Nach einer gebührenden Einspielzeit (> 30h) erhielten wir im Test die beste Klang-Performance, wenn die auf Stands platzierten Boxen mit einem Abstand zur hinteren Wand von ca. 30 cm und zu den seitlichen Wänden mit mehr als 50 cm spielen durften.Als perfekter Hörabstand erwies sich eine Distanz von 2,5 - 3 Metern, wobei die Lautsprecher leicht nach außen gerichtet wurden.
Erstaunlicherweise zeigte die kleine Französin in kleinen wie in großen Hörräumen etwa die gleiche Klang-Performance. Sie ist nach unserer Testerfahrung in akustisch neutralen Wohnzimmern von 15 bis ca. 30 qm Größe bestens aufgehoben.
Will man den agilen Charakter der Sirocco nicht abwürgen, sollten neutral agierende Verstärker mittlerer Leistung und neutral bis leicht warm orientierte Kabel erste Wahl sein.
Da sich die Scirocco bei gutem Wirkungsgrad im Impedanz- und Phasenverhalten unkritisch verhält, kommen neben Transistorverstärkern des mittleren Preissegments auch Röhren-Amps als Spielpartner durchaus in Frage.
So überzeugte die (kräftige) Verstärkersektion des preisgünstigen Teufel Combo 62- Receivers neben unserer Röhren-Referenz, dem Line Magnetic LM34 durchaus als Spielpartner für die Scirocco 1.24.
Starker Klang
Lebendig, dynamisch, neutral. So könnte die Kurzbeschreibung des Klanges der Sirocco 1.24 lauten. Doch die kleine Französin kann mehr. Viel mehr sogar.Getragen von einem für diese Boxengröße sehr tiefen, raumfüllenden und sauber definierten Bass, beeindruckt zunächst das glasklare, dynamische und detaillierte Klangbild der schmucken Sirocco. Gepaart mit einem Hohen Maß an Natürlichkeit ohne jede Tendenz zu Klangverfärbungen liegt der klangliche Realismus in erreichbarer Nähe.
Damit wäre fast schon alles gesagt. Doch die Sirocco hat noch weitere außergewöhnliche Stärken. Da wäre zunächst die natürlich-kraftvolle und überaus präsente Darstellung von weiblichen wie männlichen Stimmen. Layla Zoes Gesang in „Highway of Tears“ wurde im Hörtest zu einem audiophilen Erlebnis der besonderen Art und bei der rauchigen Stimme Greg Browns in „Brand New ‚64 Dodge“ lief einem förmlich die Gänsehaut den Rücken herunter.
Überaus erfreulich, dass die Stimmen mit der Scirocco selbst bei höheren Pegeln weitgehend zischelfrei reproduziert werden, was nicht zuletzt der Langzeit-Hörtauglichkeit zugute kommt.
Neben der oben schon erwähnten Bass-Performance stellt das beachtliche Differenzierungsvermögen der Box ein weiteres Highlight dar. So werden komplexe Passagen im Klanggeschehen sauber aufgelöst und Instrumente wie auch Stimmen an einen festen Platz gerückt.
Nicht nur In „Exactly Like You“ von The Ray Brown Trio… gelingt dies der Scirocco in beeindruckender Weise. Auch die Abbildung selbst großer Klangräume meistert die Scirocco überzeugend, wobei allerdings die Tiefenstaffelung von Stimmen und Instrumenten im Raum vielleicht noch etwas „Luft nach oben“ hätte.
Die Detailauflösung liegt im ebenfalls auf sehr gutem Niveau, der klanglichen Präzision könnte aus unserer Sicht jedoch noch etwas Feinschliff guttun.
Mit ihrem klanglichen Auftritt hat die erschwingliche Scirocco 1.24 nicht nur gegenüber ihrer weit teureren Schwester GT1-HD leicht die Nase vorn, sondern bietet sogar unserer Kompakt-Referenz, der PMC Twenty 5.22, die Stirn.
Erst die superbe Ulber Audio Ñora zeigte der kleinen Sirorro im direkten Vergleich ihre Grenzen auf.
Der Klangcharakter
Das nachfolgende Pol-Diagramm verdeutlicht die klangliche Ausrichtung (die Abstimmung) der Box. Die Klangqualität wird weiter unten (siehe „Bewertung“) differenziert dargestellt.Fazit
Mit der Sirocco 1.24 bringt der französische Hersteller Atohm einen Kompaktlautsprecher auf den Markt, der in jeder Hinsicht überzeugt.Mit soliden Komponenten ausgestattet und bestens verarbeitet, sieht die bezahlbare, schnörkellos modern gestaltete Französin nicht nur gut aus, sondern klingt auch noch unverschämt gut.
Ihr Klangcharakter liegt eindeutig auf der lebendig-transparenten Seite, wobei das für eine Kompaktbox tiefreichende, kontrastreiche Bassfundament und die ausdruckstarke Darstellung von Gesangsstimmen klangliche Glanzlichter darstellen.
Verstärkerfreundliche Anschlusswerte und ein guter Wirkungsgrad erfordern für die Box lediglich gute „Normalverstärker“ mit etwa 40 bis 80 Watt Maximalleistung.
Um den Top-Klang abzurufen, sollte jedoch eine etwas freie Aufstellung und ein tendenziell neutral bis leicht warm ausgelegtes Lautsprecherkabel gewählt werden.
In akustisch unkritischen Räumen von 15 - 30 qm Größe entfaltet die Sirocco ihre volle Klangkraft.
Ein dreistufiger Umschalter auf dem Anschlussterminal ermöglicht eine Anpassung des Klangbildes im Bereich der oberen Mitten und der Höhen an die Raumakustik.
Ausgesprochen positiv bewerten wir den Schutz der Chassis durch Drahtgitter bzw. Stoffrahmen.
Wenn es an diesem Lautsprecher überhaupt etwas zu bemäkeln gibt, dann wären es vielleicht die arg eng zusammenstehenden Anschlussbuchsen sowie die fehlenden Inserts zur Aufnahme von Spikes oder Absorbern.
Mit der Sirocco 1.24 erhält der Käufer einen bestens gestalteten, highendig auftrumpfenden Lautsprecher, dessen Paarpreis von 1699 Euro im Vergleich mit der einschlägigen Konkurrenz als sensationell niedrig gelten kann.
Deutscher Vertrieb: HVH Dietmar Hölper, D-56459 Ailertchen, https://dietmar-hoelper.de/
Hintergrund-Informationen und technische Daten:
https://www.atohm.com/en/products/loudspeakers/sirocco-series/sirocco-124.html
Preis (UVP) des Boxenpaares: 1699,- €
Hiermit wurde die Klangbewertung vorgenommen:
Verstärker: Line Magnetic LM34, Teufel Kombo 62 CD-Receiver
LS-Kabel: Reson „single solid core kryo“
Plattenspieler: Rega Planar 6 mit Phonovorstufe Musical Fidelity V90 LPS
Streamer: WiiM Ultra
Vergleichsboxen: PMC Twenty 5.22i, Atohm GT1-HD, Ulber Audio ÑoraBewertung und Testergebnis
Das sollten Sie wissen- Alle Bewertungen orientieren sich ausschließlich am Qualitäts- Optimum der jeweiligen Produktgruppe (hier Passiv-Kompaktboxen) und stehen nicht in Relation zum Preis.
- Die Preis-Leistungsbewertung wird gesondert erstellt und berücksichtigt neben der Produktqualität auch Ausstattungsumfang und besondere Produktmerkmale.
- Die Klangbewertung wurde mit dem o.g. Test-Equipment durchgeführt und basiert auf die beschriebenen Raum- und Aufstellungsverhältnisse


Bewertungsschlüssel |
0,5 - 0,9 ausgezeichnet |
1,0 - 1,5 sehr gut |
1,6 - 2,5 gut |
2,6 - 3,5 akzeptabel |
ab 3,6 verbesserungsfähig |
Anmerkungen
Der Technic3D Top-Award wird für Produkte vergeben, die im Test herausragend gute Leistungen nachgewiesen haben.Der Technic3D Gold-Award wird für Produkte vergeben, die sehr gute Leistungen bei vergleichsweise geringen Preisen aufweisen.


