Preview: Assassin's Creed 2

Zeit für neue Meuchelmorde in neuer Szenerie

Seite 2: Zeitgeist und Schauplätze

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Im ersten Ableger war man noch mit dem Meuchelmörder Altair zum größten Teil im Jahre 1193 in der Stadt Jerusalem unterwegs, in der Fortsetzung verschlägt es Sie ca. 280 Jahre später nach Italien genauer gesagt nach Venedig, wo derweil die Epoche der Renaissance angebrochen ist. Das ist die Kurzbeschreibung von Assassin's Creed und ein guter Grund für einen Nachfolger der ohnehin als Trilogie geplanten Reihe. Die Schauplätze sind vielseitig: Sie sind in Venedig, der Toskana und Florenz unterwegs, zielgerichtet auf der Suche nach Ihren Zielpersonen. Trotzdem gibt es wohl keinen besseren Ort als Venedig, um die Geschichte von Assassin's Creed fortzuschreiben. Schließlich war die Stadt an der Adria mit ihren prächtigen Palastbauten, dunklen Kanälen und 444 Brücken in der Renaissance das intellektuelle Zentrum der Welt fernab von stetig kommunizierenden Touristen, die das Kulturdenkmal heutzutage in einen ermüdenden Zirkus verwandeln. Die Städte sollen um Einiges größer als noch im Vorgänger ausfallen, Venedig hat beispielsweise die doppelte Ausdehnung von Jerusalem, dem Schauplatz des ersten Teils, und besteht aus insgesamt fünf verschiedenen Bezirken. Das Entwicklerteam begründet auf Nachfrage unserer Redaktion die Entscheidung des Schauplatzes damit, dass es neben Rom die bekanntesten Orte Italiens sind und die Städte durch ihre Architektur ein perfektes Fundament bieten, um das Spielgeschehen realistisch abzubilden.
Das Kapitel rund um den Helden Altair schließen die Entwickler Ubisoft jedoch, stattdessen schlüpfen Sie in die Haut eines neuen Auftragskillers mit dem italienisch angehauchten Namen Ezio Auditore di Firenze. Der Edelmann lebt zur Zeit der italienischen Renaissance, also etwa Ende des 15.Jahrhunderts. Im Gegensatz zu Altair ist er redegewandt, wohlhabend und meuchelt mit einem persönlichen Ziel. Ezio Auditore Da Firenze ist jedenfalls anfänglich kein Assassine, sondern Mitglied einer edlen Familie im sonnigen Florenz. Doch wenn das Schicksal oder besser die Konkurrenz zuschlägt, kann sich der Werdegang eines Menschen schon mal schnell die Richtung wechseln. Konkurrierende Familien ziehen eine Verschwörung auf, die Ezios Familie das Leben kostet und seinen gesellschaftlichen Status ruiniert. Ezio sinnt auf Rache und wird zum Assassinen, wobei er prominente Hilfe hat, namentlich Leonardo Da Vinci, der Ezio mit seinem genialen Erfindergeist unterstützt. Hierbei ist der versteckte Dolch des Erfinders mit von der Partie. Der Zeitgeist brachte Künstler wie Michelangelo, Schriftsteller wie Dante Aligheri oder Wissenschaftler wie Leonardo da Vinci an das Tageslicht – sie schufen praktisch täglich Weltbewegendes und die Macht der Kirche kam zum ersten Mal ins Wanken. Das ideale Zeitalter für den Assassinen Ezio Auditore di Firenzi, um seinem blutigen Handwerk nach zu gehen. Gehüllt in zeitgenössische Kleidung und mit dem unverkennbaren Altair-Look, schlägt sich der nächste Vorfahre des Templer-Gefangenen Desmond durch die sinkende Stadt.



Der Hauptcharakter Ezio will sich im Verlauf der Geschichte an Clans (Vorläufer der heutigen Mafia) in Florenz, Venedig und der Toskana rächen, die den Namen seiner Familie in Verruf gebracht haben. Im Gegensatz zu seinem etwas angestaubten Vorfahren besitzt er auch die Fähigkeit, sich im Wasser fortzubewegen und zu schwimmen. Wie im Vorgänger bringen Sie dafür so manche historische Persönlichkeitum die Ecke. Die genannten Städte fallen größer aus als die in Assassin’s Creed. Fünf Bezirke soll Venedig umfassen. Das wären zwei mehr, als die Metropolen des Vorgänger bereits boten. Wie umfangreich die Spielwelten Florenz und Toskanaam Ende werden, daran tüfteln die Entwickler aus Montreuil zurzeit noch.

   
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Ein Areal wie das Königreich, das in Altairs Abenteuer dazu diente, die Einsatzgebiete zu verbinden, fällt jedoch weg. Wie sein Vorgänger mit dem DNA-Lesegerät Animus virtuell zum Leben erweckt, soll Ezio neben dem neuen Spielgefühl auch die Atmosphäre dieser einmaligen Epoche vermitteln. Der Zeitgeist stand für Freiheit, Wissenschaft und Kreativität und befreite die Menschen aus dem Kerker des düsteren Mittelalters.
Natürlich wird es weiterhin Mord-Mission geben, diesmal sogar von drei unterschiedlichen Auftraggebern, wie der Diebesgilde, Söldnern oder den Kurtisanen. Doch Sie müssen sich auch als Bodyguard, Dieb, Bote und Geldeintreiber unter Beweis stellen. Satte 16 unterschiedliche Auftragstypen mit jeweils einer Mini-Geschichte a la GTA IV warten auf Ezio, führen ihn von Venedig über Florenz, bis in die Toskana. Stattdessen wurden die Städte kräftig erweitert und mit deutlich mehr Details versehen. Prunkvolle Bauten, glitzernde Kanäle und eine nahezu 1:1-Umsetzung des Markusplatzes bieten beste Postkarten-Atmosphäre. Zwischen den Städten bewegen Sie sich wie bereits aus dem Vorgängertitel gewohnt per Pferd.
Das grundsätzliche Spielprinzip hat sich freilich nicht verändert. Wie gewohnt erhalten Sie Aufgaben, diesmal allerdings von Charakteren, die deutlich mehr Persönlichkeit und Bindung an die Geschichte erhalten sollen. In der Third-Person-Perspektive geht es über die Dächer der Städte, per Boot oder endlich schwimmend und tauchend durch die Kanäle von Venedig oder zu Pferde durch die offene Landschaft. Die athletischen Kletteraktionen sowie typische Attentate bilden erneut wieder den Hauptinhalt.

   
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Allerdings sollen dem Spieler ausdrücklich mehr Möglichkeiten geboten werden, Kämpfe und Attentate zu überstehen. So werden die Klingen-Attentate flexibler und können von so ziemlich überall ausgeführt werden, solange der Assassine nicht von Wachen in naher Umgebung entdeckt wurde. Vor allem sind die Klingenattacken tödlicher, da nun auch Doppel-Kills möglich sind. Das doch recht mühsame Positionieren hinter dem Gegner entfällt, zudem können Klingen-Kills nun aus Verstecken heraus ausgeführt werden. Praktisch, denn neuerdings sind Sie in Verstecken nicht mehr sicher, da bestimmte Gegnertypen die Umgebung genauer durchsuchen und auch mal mit einem Speer im Heuballen herumstochern.

Das Infiltrieren von Einrichtungen nebst Flucht wurde etwas erleichtert. Zu oft kam es im Vorgänger vor, dass Kämpfe und Verfolgungsjagden unumgänglich waren. Dank netter Tools wie Rauchbomben oder einem beherzten Sprung in einen der Kanäle besteht immer mal die Möglichkeit, aus einer Umzingelung zu entkommen. Zudem gibt es unterschiedlichere Gegnertypen, etwa agile Verfolger oder langsame, aber dafür kampfstarke Wachen. Wer kämpfen will, kann das natürlich auch weiterhin tun. Das gesamte Spiel soll somit nicht unbedingt einfacher, dafür aber variabler werden.

Eine weitere Neuerung ist, dass Sie Ausrüstung und Waffen direkt in den Städten kaufen können. Die Bewohner dienen nicht mehr nur als reine Staffage und Hindernis, sondern ebenso als Quelle für monetäre Mittel. Als ein besonderer Bonus versorgt euch euer Auftraggeber Leonardo Da Vinci fleißig mit seinen Erfindungen. So soll die Charakterentwicklung von Ezio offener gehalten werden, was euch im Zusammenhang mit der Ausrüstung Möglichkeiten zur Spezialisierung gibt, zum Beispiel in eher offensive oder defensive Richtung.
Ihre Widersacher fallen ebenfalls abwechslungsreicher aus als die Bösewichter im Nahen Osten. Jeder Gegnertyp hat eigene Vorgehensweisen oder Schwachstellen, die Sie ausfindig machen müssen, um ihn letztendlich zu besiegen. Da gibt es den Wachtypus „Grobian“, der dank seiner schweren Rüstung nur müde lächelt, wenn Sie mit Ihrem Schwert vor ihm herumfuchteln. Der „Paranoide“ schleicht extrem vorsichtig durch die Gassen, da er glaubt, dass hinter jeder Ecke eine Gefahr lauern könnte, was Ihnen das Leben schwer macht. Der „Agile“ hat zwar im Kampf nicht viel drauf, bewegt sich aber ähnlich flink durch die Städte wie Ezio, was gerade auf der Flucht so manchen wohldurchdachten Plan zunichte macht.
All diese Gegnertypen sollen die Passagen, in denen Sie über die Dächer hetzen, noch dynamischer und anspruchsvoller machen.


   
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Ezio hat dafür natürlich im Grund all das auf dem Kasten, was Sie von Altair gewohnt sind. Ubisoft erweitert sein Bewegungsrepertoire sogar noch ein wenig: Hängt Altairs Nachfahre zum Beispiel an einer Mauer, springt er per Knopfdruck an einen Vorsprung über sich, sodass Sie schneller auf Gebäude kommen. Dazu kann der Italiener schwimmen und tauchen, was Ihnen neue, vielfältige Taktiken ermöglicht. Ob Sie an Wachen heranschleichen, um sie dann ins Wasser zu ziehen und auszuschalten, oder während der Flucht im kühlen Nass verschwinden, Ihrer Kreativität setzen die Entwickler wenig Grenzen. Falls Sie aber trotz all der Möglichkeiten doch einmal nicht aus einer brenzligen Situation herauskommen, nutzen Sie die erweiterten Arten, mit der Bevölkerung zu interagieren. Denn während Sie zuvor nur zwischen Mönchen untertauchen konnten, da verschwindet Ezio nun jederzeit in größeren Menschengruppen per Knopfdruck. Da diese sogar Ihrem Willen unterliegen, hat das spielerischen Nutzen. Unterm Volk verschwinden Sie einfach vor alarmierten Wachen. Eine Gruppe von Dieben steuern Sie dagegen zum Beispiel an ein Ziel, an dem Sie Informationen stehlen lassen, oder Sie lenken mit hübschen Frauen die eine oder andere liebestolle Wache ab.

Die erwähnten Diebe stellen im Übrigen eine von drei Gilden dar, die in den Städten ebenfalls mit Aufgaben für Sie warten. Der Entwickler Ubisoft möchte hier den Kritikpunkt des eintönigen Spielverlaufs des Vorgängers ausräumen. Ähnlich wie die GTA-Reihe soll Assassin’sCreed 2 längere Quest-Reihen bieten, Sie räumen also nicht nur für da Vinci irgendwelche berühmten Opfer aus dem Weg, sondern erledigen auch für die Diebe, die Söldner und die Kurtisanen die Drecksarbeit. Alles in allem erweitert das die Missionstypen von sechs auf 16, unter anderem mit Eskort- oder Fluchteinsätzen.
Ob das den Spielverlauf automatisch spannender macht, muss sich noch zeigen. Die Pläne der Entwickler klingen zumindest so. Als Belohnung für die Gildenaufträge lernt Ezio nämlich neue Manöver, die je nach Gilde unterschiedlich ausfallen. So verbessert sich der mörderische Edelmann je nachdem, welche krummen Dinger Sie zu drehen bevorzugen.

   
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An der Grafik gab es seinerzeit gar nichts zu bemängeln, der zweite Teil knüpft völlig selbstverständlich daran an. Assassin’s Creed 2 basiert auf der Grafik-Engine, die schon bei Far Cry 2 und Prince of Persia für einige neidische Blicke sorgen konnte, jedoch haben die Entwickler als zusätzliches Bonbon an den Licht- und Schatteneffekten gefeilt und einen fließendenTag-und-Nacht-Wechsel realisiert. So kann es durchaus sein, dass Schleicheinlagen bei sternenklarem Himmel mehr Erfolgsaussichten haben als bei brennender Mittagshitze. Das würde die Spielreihe auf eine ganz neue Ebene hieven. Der gezeigte Level auf der gamescom 2009 in Köln strotzte nur so vor Detailvielfalt und bot die gewohnt gute Weitsicht von den Türmen und Dächern aus. Die Straßen sind belebt es wimmelt förmlich vor Menschen, die Karneval feiern oder auch nur ihren alltäglichen Geschäften nachgehen. In den Kanälen mit sehenswerten Wassereffekten spiegelt sich beeindruckend der Campanile der Basilika. Auch der Protagonist Ezio bleibt von der sehenswerten Grafik-Engine nicht unberührt: Er begeistert mit geschmeidigen Animationen, die augenscheinlich noch mehr Details inne haben. Insbesondere die Soundkulisse jagt einem neben den herzrasenden Missionen erneut wohlige Schauer über den Rücken.















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Kategorie: Game Previews
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