E.T.‘s Blog #1: kleine Computer-Trendprognose 2009

Kleine Computer-Trendprognose 2009

Der Tageszeitung, mit den gegenwärtig üblichen Meldungen über schwarze Leute in Weissen Häusern und der Bombenstimmung im nahen Osten, lag heute auch ein ziemlich rotes Reklameblatt einer Firma bei, die ich hier nicht näher benennen möchte (ich bin doch nicht blöd und mach für die noch umsonst Werbung). In diesem MediaMarkt-Reklameblatt also lenkte ein Textfeld in Pfeilform, das auf einen Tower gerichtet war, meine Aufmerksamkeit kurz von meiner mit Margarine und Erdbeermarmelade bestrichenen Butterzopfscheibe ab: „Gigantischer 8GB Arbeitsspeicher“. Fast noch mehr als der Inhalte beschäftigte mich die Formulierung: Wieso nicht „Gigantische 8GB Arbeitsspeicher“? Das würde viel mehr Sinn machen, dann nämlich würde das Wort „gigantisch“ sich auf die 8GB beziehen und damit verdeutlichen, dass 8GB eine grosse Menge in Bezug auf Arbeitsspeicher ist. So aber bezieht sich gigantisch auf den Arbeitsspeicher selbst, von dem man bereits weiss, dass er von der Menge her gross bemessen ist, weshalb der Leser dazu gedrängt wird, gigantisch nicht in Bezug auf die Menge sondern auf die physische Grösse zu interpretieren. Also vielleicht zwanzig Meter lange Speicherriegel…
An der Sprachkompetenz der MM-Reklameautoren zweifelnd und über Speicherrigel im Format eines Gartenzauns nachdenkend schweifte mein Blick zur kurzen Produktbeschreibung hinunter, wo ich mich vergewisserte, ob auch wirklich ein 64bit Betriebssystem mitgeliefert wird – wenn nicht sogar ein „gigantisches 64bit Betriebssystem“, wie auch immer man sich das vorstellen müsste. Tatsächlich wird bei diesem Acer Aspire ein Vista Home Premium in 64bit mitgeliefert, was durchaus positiv zu sehen ist. Denn wenn jetzt schon Komplettrechner mit 64bit-Betriebsystemen über die grossen Discounter vertrieben werden, dann steigt die Hoffnung, dass bei Erscheinen von Windows 7 in einem dreiviertel Jahr die 32bit-Versionen nur noch für Subnotebooks und Nettop-Rechner von Bedeutung sind. Sprich: Mit Windows 7 wird wohl erstmals ein Betriebssystem für Heimanwender mehrheitlich in 64bit ausgeliefert werden, was endlich den nötigen Schub in die Entwicklung von Anwendungssoftware, Spielen und Treibern in 64bit bringen dürfte.

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Ebenfalls im gleichen Angebot geworben wird mit einer 768MB-Grafikkarte (natürlich nur eine 9600GS) und fast 2TB Speicherplatz. Das einzige, was dieser Acer noch vermissen lässt, wollte man sich einen vordergründig zukunftsgerichteten Rechner anschaffen, ist ein Blu-Ray-Laufwerk. Und hierbei muss ich dem Discounter sogar noch fast recht geben, ob man Geiz nun geil findet oder nicht, auf BD (Blu-Ray Disc) zu verzichten ist aktuell sicher nicht am falschen Ort gespart. Es gibt zwar immer noch Leute die sagen, man müsse sich halt etwas in Geduld üben, in Rom habe sich die DVD auch nicht an einem Tag durchgesetzt. Aber ich vermute, dass sich diejenigen schlicht in der Erinnerung täuschen. Die DVD kam 1995 auf den Markt, 1999 gab es erste Brenner. Kurz darauf waren zumindest reine Leselaufwerke schon ziemlich verbreitet. Die BD gibt es seit 2002 – sieben Jahre später beginnt sie sich erst im Heimkinobereich – als ‚read only‘ wohlverstanden – allmählich zu etablieren, im PC-Bereich, ansonsten Technikvorreiter, sind sowohl Leselaufwerke wie auch Brenner noch immer bedeutungslos.
Dieser Zustand der Bedeutungslosigkeit der BD hat wohl viele Gründe. Zu teuer, Brenner wie Medien, das ist klar, aber die DVD war am Anfang auch teuer, erst über die Massenproduktion wird der Preis günstiger. Dabei fehlt dem normalen PC-User heute eigentlich genau so ein Langzeitspeichermedium. Der Speicherplatz von CDs und DVDs ist längst zu klein, der reicht nicht einmal mehr um ein grösseres Fotoalbum zu archivieren, zumindest nicht bei heutigen Megapixelwahnkameras. Festplatten sind pro Gigabyte zwar günstig, galten bisher aber immer als etwas unsicher, die Angst vor versehentlichem Löschen sowie vor Lagerschäden, Headcrashs und neuerdings auch fehlerhafter Firmware ist gross – aber genau hier liegt der Hund begraben: Die DVD hat den Ruf einer Disc als zuverlässiges Speichermedium eben auch zunichte gemacht. Die Daten vieler Scheiben lösten sich nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren einfach auf – nicht unbedingt in Wohlgefallen. Die BD müsste das Vertrauen in die Disc also zuerst einmal wieder herstellen, und gerade in diesem Punkt stellen renommierte Fachzeitschriften den aktuellen BD-Brennern kein gutes Zeugnis aus. Die Disc scheint mit der BD also am Ende angelangt, die Technik ausgereizt. Als Medium zum Vertrieb kopiergeschützter Software und Filme werden die Blaulaserscheiben sich sicher noch einige Jahre halten können, aber für andere Anwendungen sieht es düster aus. Wer transportiert in der Zeit von USB-Sticks noch Daten auf Discs? Wer brennt noch etwas, um Platz auf der HD zu machen, wo man Terrabyte-HDs nachgeschmissen bekommt? Wer hebt noch CDs mit Treibern und Gratissoftware auf oder brennt sie sogar selbst, wenn Breitbandinternet mit Flatrate heute praktisch zur Grundversorgung gehören?

Der Umstieg von 32bit auf 64bit bei Betriebssystemen ist ein unumgänglicher Weg, der in diesem Jahr nun beschritten werden wird um danach wieder ein paar Jahre Ruhe zu haben, ehe der nächste Bruch (128bit? Oder etwas völlig anderes?) ansteht.
Die gute alte Scheibe mit Laserabtastung hat in den letzten fast 40 Jahren einen deutlich weniger geradlinigen Weg hinter sich gebracht. Ursprünglich (DiscoVision, 1971) für die Speicherung von analogem Filmmaterial entwickelt, schaffte sie als Compact Disc (CD, 1981) weltweit den Durchbruch als digitaler Tonträger. Als digitaler Bildträger erfolgreich wurden die Digital Versatile Disc (DVD, 1995) und nun allmählich auch die Blu-Ray Disc (BD, 2002). Die Mitte der 90er Jahre erlangene Bedeutung als Computer-Speichermedium hat sie sich mittlerweile nur noch einer kleinen Zielgruppe erhalten. Zwanzig Euro günstigster Preis für eine 50GB BD-R und diese nur mit Tempo 2x beschreibbar? Ich bin doch nicht blöd!
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Kategorie: Redakteursblog
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