Nvidias 8800GT zukünftig nur noch mit 128bit-Speicherinterface?

Vor wenigen Tagen hat Nvidia mit der 9800GT den sog. Nachfolger der 8800GT auf den Markt gebracht. Viele waren von der Karte und v.a. Nvidias Handeln enttäuscht, da es sich strenggenommen nur um eine 8800GT in kleinerem Fertigungsprozess mit der Unterstützung für HybridPower handelte. Nun mehren sich aber die Berichte von Käufern, deren Leistung weit hinter denen einer 8800GT aus den einschlägigen Reviews zurückbleibt. Unsere Kollegen von ComputerBase und HT4U sind diesem Problem nachgegangen. Dabei stellte sich heraus, dass es - namentlich von Point-of-View (PoV) - inzwischen GeForce 8800GT-Karten im Handel gibt, die nur noch über ein 128bit breites Speicherinterface verfügen und auch ansonsten in ihren Features beschnitten sind.

So hat die Karte von PoV nur noch 96 Shader-Einheiten, 48 TUMS und 8 ROPs, während es bei einer echten 8800GT 112 Shadereinheiten, 56 TUMs und 16 ROPs sein müssen. Die Taktraten hat PoV allerdings angehoben, so dass der Takt der Karte jetzt 650MHz an der GPU und 1625MHz an den Shader beträgt. Damit liegt der Chip von seiner Ausstattung her in etwa auf dem Niveau der viel günstigeren 9600GSO und 8800GS, welche aber wegen ihres 192bit-Speicherinterfaces über mehr Leistung verfügen dürften.

Wieso die Karte sich trotzdem als 8800GT bezeichnen darf bleibt schleierhaft, dann eigentlich gibt es strenge Vorgaben seitens Nvidia welche Voraussetzung eine Karte für eine entsprechende Bezeichnung erfüllen muss. Bei der 8800GT sind das die Anzahl der Shader, der Textureinheiten, der ROPs und die 256bit Breite des Speicherinterfaces, während die Speicherbestückung zwischen 256MB und 1024MB ebenso wie die Taktraten von den Herstellern frei gewählt werden können. Somit stellt sich die Frage, ob Nvidia diese Umstellung abgesegnet hat um den Verkauf der 9800GT anzukurbeln.

Auf Nachfrage erklärte Nvidia, dass man dieser Version, die eine Eigenentwicklung von Point of View sei, nicht zugestimmt hätte und man auch nicht davon ausgehen, dass weitere solche Karten auf den Markt kämen. Dem entgegen steht allerdings die Aussage von Point of View in welcher der Hersteller zwar eine Fehlbezeichnung der Karte seinerseits einräumt, aber gleichzeitig erklärt, dass viele andere Hersteller ihre Restbestände an 8800GT-Karten auf diesem Weg verkaufen wollten.

Wer auch immer am Ende sich hinter dieser Idee verbirgt, hat zumindest ein wesentliches Ziel erreicht: Die potentiellen Käufer der 8800GT sind verunsichert und werden sich der teureren 9800GT zuwenden, da noch unklar ist ob man die beschnittene Karte mittels Bios-Flash wieder zu einer vollwertigen 8800GT machen kann. Ferner wird diese Lösung, die mit dem Risiko des Defektes der Karte bei gleichzeitigem Garantieverlust einher geht, ohnehin nur für einen Bruchteil der Käufer ein gangbarer Weg sein.
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