Facebook - Hagel an Kritik für die Einführung der automatischen Gesichtserkennung

Die Debatte um die Gesichtserkennung bei Facebook hält nach wie vor an. Nun hagelt es an diversen Kritikpunkten, die das Sozialnetzwerk in keinem guten Licht stehen lassen. Die vielen Millionen Nutzer auf der Welt ließen beim Online-Netzwerk eine Datenbank aus verknüpften Namen und Gesichtern entstehen.


facebook gesichtserkennung


Allgemein schrillen bei vielen Benutzern beim Wort "Gesichtserkennung" die Alarmglocken und es macht sich Empörung breit. Die Maxime, welche sozusagen eine Horrorvorstellung bildet, ist dass jeder Fremde auf der Straße mit wenigen Smartphone-Klicks jegliche persönlichen Daten wie: Name, Adresse und etliche weitere Daten über die eigene Person erfahren könnte.
Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook zählt mittlerweile rund 600 Millionen Mitgliedern und musste diese Woche erfahren, wie sensibel gerade die deutschen Internet-Nutzer bei allem reagieren, was irgendwie in einer direkten oder indirekten Beziehung mit Gesichtserkennung zu tun hat.

Hingegen setzte Facebook seiner neuen Gesichtserkennungsfunktion klar definierte Grenzen: Es geht vielmehr darum, dass beim Hochladen von Fotos eine Software automatisch Nutzern die Namen ihrer dort abgebildeten Freunde bei dem Online-Netzwerk zum Markieren vorschlägt. Dabei erkennt das Programm anhand früherer Markierungen, um welche Person es sich handelt. Ansonsten kann der Nutzer die Person per Hand eintragen. Facebook betont, dass nur die Namen von Freunden beim Online-Netzwerk vorgeschlagen werden. So soll die Funktion für das eigene Gesicht jederzeit abgeschaltet werden können sowie additiv vorhandene Namens-Tags entfernt werden.

Alleine die Vorstellung, dass eine Software jedes Bild automatisch nach Übereinstimmungen von Gesichtern und Namen durchforstet, war Verbrauchern und Datenschützern dennoch zu viel vom Guten. Hingegen will man bei Facebook die Aufregung nicht so recht verstehen. "Wir bekommen dadurch doch keine zusätzlichen Daten", sagt die deutsche Sprecherin Tina Kulow. Das scheint insofern zu stimmen, denn die Verbindung zwischen Name und Gesicht haben bereits vorher die Nutzer selbst hergestellt als sie sich oder einen Facebook-Freund in einem Foto markiert haben.
Sogenannte „Tags“ passieren jederzeit. So werden über 100 Millionen solcher Namens-Tags pro Tag eingetragen, sagt die Facebook-Sprecherin. Das macht etwa 1157 Namen-Tags pro Sekunde. Eine beeindruckende Vorstellung: Beim Online-Netzwerk liegt eine gewaltige Datenbank mit vielen Millionen Verknüpfungen von Namen und Gesichtern, erstellt von den Nutzern selbst. Betrachtet man alleine Deutschland, so hat Facebook rund 20 Millionen aktive Mitglieder.


"Es geht nur darum, den Nutzern den Umgang mit ihren Bildern komfortabler zu machen", versichert die Facebook-Sprecherin. "Wir machen nichts weiter mit diesem Daten." Dass das Unternehmen sich an das Versprechen und an seine Datenschutz-Bestimmungen hält, ist letztlich Sache des Vertrauens: Kontrollen die dies validieren gibt es jedoch in keiner Form.
Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar jedenfalls, der in Deutschland für Google zuständig ist und auch mit Facebook verhandelt, lässt dagegen die Alarmglocken schrillen. Wenn ein Unternehmen biometrische Merkmale von Millionen Menschen ansammelt, sei dies "hochbrisant", warnt er. Facebook müsse dementsprechend für die Gesichtserkennungsfunktion eine biometrische Datenbank betreiben, die permanent im Hintergrund läuft.

Des Weiteren kritisiert Caspar scharf, dass Gesichtserkennung und Vorschlags-Funktion standardmäßig aktiviert wurden: "Facebook hat es versäumt, die Nutzer davon ausdrücklich in Kenntnis zu setzen. Wer nicht mitmachen will, ist gezwungen, die Funktion zu deaktivieren, dies gilt auch für Minderjährige“, so eine Aussage des Datenschutzspezialisten.
"Wir hätten die Nutzer deutlicher informieren können", räumt die Facebook-Sprecherin ein - eine heimliche Aktion sei es jedoch keinesfalls gewesen. Schließlich sei die entsprechende Änderung der Privatshäre-Richtlinien bereits im Dezember den Nutzern zur Abstimmung vorgelegt worden.

Dort heißt es ziemlich deutlich: "Wenn beispielsweise ein Freund/eine Freundin ein Bild von dir hochlädt, können wir vorschlagen, dass diese/r dich darauf markiert. Wir vergleichen dafür die Bilder deines Freundes/deiner Freundin mit den Informationen, die in allen Bildern, auf denen du markiert wurdest, enthalten sind."
"Welches andere Unternehmen lässt vorher über eine Änderung von Datenschutz-Regeln abstimmen?", fragt die Facebook-Sprecherin. Dass die Funktion standardmäßig eingeschaltet worden sein könnte, damit mehr Nutzer auf sie zugreifen oder einander häufiger in Bildern markieren, weist sie zurück. Eigentlich bringe das Namens-Tagging den Nutzern sogar mehr Kontrolle: "So sehe ich wenigstens sofort, wenn jemand ein Foto von mir hochlädt."

Jedoch sehen Datenschützer wir Caspar die Lage aus einem anderen Blickwinkel, können aber de facto nicht viel tun. Denn unklar ist sogar, welche Datenschutz-Regeln für die deutschen Facebook-Nutzer gelten. "Facebook ist der Ansicht, dass die Nutzungsverhältnisse aller europäischen Nutzer nach Irland umgestellt wurden", äußert sich Caspar. Auch in diesem Fall wären zwar deutsche Datenschutz-Behörden zuständig, allerdings nach irischen Bestimmungen, die deutlich von den deutschen Bestimmungen abweichen. "Man muss sehen, dass unser Einfluss da begrenzt ist." Daher setzt sich Caspar dafür ein, das Thema auf europäischer Ebene zu regulieren. Als ersten Schritt prüfen die Datenschützer jetzt aber unter anderem, ob die Änderung der Richtlinien zur Privatsphäre im Dezember 2010 wirksam war.

Nun ist das Image der Marke Facebook in Deutschland zufolge einiger Marktforscher derzeit nicht das Beste. So kam das Online-Netzwerk im BrandIndex des Instituts YouGov zuletzt mit einem Wert von minus 7 Punkten in den negativen Bereich. Die anhaltende Debatte um die Gesichtserkennung habe jetzt kurzfristig die Skepsis in Facebooks Handlungen noch einmal verstärkt, so YouGov-Marketingchef Markus Braun. Die Bewertungsskalabei YouGovs Markenindex reicht von -100 bis +100 Punkten. Im Vergleich mit anderen renommierten Internetmarken ist Facebook deutlich in Verruf geraten, denn Google oder Amazon kämen auf mehr als 80 Punkte und liegen somit im grünen Bereich.

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Kategorie: Webwatch
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