Die Festplattenkrise macht auch vor den PC-Herstellern nicht halt

US-Marktforscher rechnen damit dass erst Anfang 2012 die Knappheit von Festplatten auf dem Weltmarkt ihren Höhepunkt erreichen wird.

Nicht nur im Einzelhandel, sondern auch auf dem Weltmarkt für PC-Hersteller ist die Festplattenkrise angekommen. „Ende November könnten uns die Festplatten ausgehen“, sagte Gus Richard – Analyst bei Piper Jaffray – im Interview mit Cnet. Dabei bezieht sich der Analyst nicht auf den Einzelhandel und deren Wege zum Kunden, sondern auf Hersteller wie Dell, HP, Lenovo oder Apple, die ihre Ware direkt bei den Herstellern kaufen. Während bei den Einzelhandelspreisen bereits Preissteigerungen von mehr als dem doppeltem Preis zu beobachten sind, verzeichnen die PC-Hersteller laut Gus Richard Anstiege zwischen 10 und 60 Prozent. Diese Steigerungen bei PC-Komponenten seien, wenn sie zwischen Hersteller und einem PC-Anbieter gehandelt werden, sehr ungewöhnlich.

Weiter sieht Richard die Möglichkeit, dass der Markt irgendwann leer geräumt sein könnte, als großes Problem an. Er glaubt, dass auf die Katastrophe zu wenig reagiert wird. Durch die Überschwemmungen in Thailand sind die Fabriken der beiden Marktführer für eine Gerätekategorie nun direkt betroffen. Teilweise stehen die Fabriken von Western Digital und Seagate immer noch unter Wasser. Das ist ein echtes Problem, denn rund die Hälfte aller Festplatten kommt Richards zu folge aus Thailand.

Dem Analysten zu Folge soll im vierten Quartal ein Gesamtmarkt für rund 180 Millionen Festplatten bestehen. Durch die Katastrophe in Thailand sollen aber nur 100 bis 120 Millionen Festplatten hergestellt werden können. Das soll auch die PC-Hersteller betreffen die 5 bis 10 Millionen weniger PCs herstellen könnten. Das Missverhältnis zu den Stückzahlen der Festplatten liegt an den Rechenzentren und Supercomputern. Hier werden oft auf einen Schlag hunderte Festplatten verbaut und dafür gibt es langfristige Verträge mit Konventionalstrafen, die daher zuerst bedient werden müssen. Der Markt für privat genutzte Desktop-PCs und Notebooks hat daher das Nachsehen. Wegen der anhaltenden Unterversorgung soll die Festplattenkrise erst im ersten Quartal 2012 voll zuschlagen. Durch den Rückstau soll die Nachfrage nach PCs dann bei 210 bis 230 Millionen liegen, durch fehlende Festplatten aber 60 bis 80 Millionen weniger PCs gebaut werden können. Dieser Effekt soll danach noch weitere Quartale anhalten.
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Kategorie: Wirtschaft/Politik
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